Leben mit Wölfen und Bären!

Heute stand es im Aftonbladet: Mann von einem Bären angefallen! – http://www.aftonbladet.se/nyheter/article14782149.ab. Das war in der Nähe von Gälve, aber auch wir in Värmland leben mit Bären, Wölfen und Luchsen – kling romantisch und abenteuerlich – bedeutet aber für viele Menschen hier auf dem Lande starke Einschränkungen und Veränderungen in der vertrauten Lebensart. So mancher wagt sich nicht mehr in den Wald, Beeren und Pilze bleiben unberührt. Wölfen reißen Schafe und Kälber, ein Luchs hat gerade bei eine Bekannte alla Hühner gekeult, die Jagd auf Rehe und Elche wird sinnlos, weil das Wild fehlt, bei der traditionellen Jagd mit freilaufenden Hunden werden die Hunde von Wölfen verspiesen. Die Strafe für das Töten eines Wolfes sind drakonisch hart.

Ok, dafür haben Wolf, Bär und Luchs hier wieder sichere Bestände aufgebaut. Ein echter Erfolg des Tier- und Naturschutzes – aber alles hat seinen Preis. Ich würde jedenfalls nicht mehr tagelang durch die Wälder Värmlands wandern und nachts draußen schlafen. Wahrscheinlich ist es ganz ungefährlich – aber das Gefühl der Sicherheit ist verloren gegangen. Schade eigentlich!

Update: Heute morgen steht in der gleichen Zeitung, dass es wohl gar kein Bär gewesen sein soll, sondern ??? Der Mann hat auf jeden Fall Wunden. Wir werden vielleicht noch hören, was es da noch so für Tiere in unseren Wäldern gibt, die es auf einsame Wanderer abgesehen haben.

Valborgsmässoafton

Morgen ist es soweit – mit traditionellen Liedern, gefühlvollen Reden, großen Feuern und manchmal auch Feuerwerk wird der Frühling begrüßt – so ist jedes Jahr am 30. April. Auch wenn Valborgsmässoafton den gleichen Hintergrund hat wie die deutsche Walpurgisnacht, so gibt es hier morgen keinen Hexentänze, die hatten wir ja schon Ostern, sondern Frühlingsfeste.

Auch wenn das kein officieller Feiertag ist, geben doch viele Betriebe Ihren Angestellten den Nachmittag frei, so auch wir in Munkfors. Und dieses Jahr ist es außerdem ein “Klemmtag” – ein Arbeitstag, der zwischen zwei Feiertagen liegt, also zwischen Sonntag und dem folgenden 1. Mai. Solche Klemmtage werden dann auch wie Feiertage behandelt, also gibt es frei oder Lohnaufschläge.

So wird nun also gefeiert – manchmal war noch Eis auf den Seen und an manchen Jahren konnten sogar die Freudenfeuer auf den Eisflächen brennen – aber dieses Jahr scheint die Sonne und die Birken haben bei uns schon ausgeschlagen. Herrlich! – Jetzt beginnen die 6 Monate in unseren Breiten, die nicht Winter sind!

Haus oder Wohnwagen – der Preis ist derselbe

Es gibt wohl keinen anderen Ort in Europa, wo Immobilien so billig sind wie hier – in Värmland. Es gibt auch andere Orte mit schwacher Infrastruktur, neagitver Bevölkerungsentwicklung und einem Überangebot an Grundstücken mit Häusern, aber nirgends kan man ein 150m² Haus mit 2500m² vollerschlossenem Grundstück für 55.000,- Euro kaufen. Dafür verkaufen wir unser Haus in Sunnemo, einem romantischen Dörfchen in der Gemeinde Hagfors. Intresse? Hier gibt es mehr zu sehen: Haus in Sunnemo. Nur 70 km weiter südlich, da wo wir heute wohnen, bezahlt man 190000,- Euro für ein Reihenhaus mit Minigrundstück.

Nun sind wir nicht die einzigen auf dem Markt. Es sind 165 Häuser zu verkaufen, das billigste für 17.000,- Euro. Wenn Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen, so kann ich mich nur wundern, dass die Nachfrage so niedrig ist. Denn in Sunnemo gibt es wirklich noch so etwas wie Platz, Ruhe und Natur. Und dass der Kauf eines Hauses in Schweden dem Leben eine ganz neue Wendung geben kann, können wir bezeugen.

Ryanair

Es ist unserem Land politisch völlig unkorrekt Gutes über Ryanair zu sagen. Wären es nur die Abgase der Flugzeuge könnte man diese Fluggesellschaft mit SAS in einem Atemzug nennen. Wir würden die Luftverpestung beklagen, aber für unvermeitlich halten, und dann guten Gewissens davon fliegen.
Aber Ryanairs unverblümte Offenheit Profit maximieren zu wollen, die Errungenschaften des Schutzes der Konsumenten, wie das “Konsumentverk” es versteht, zu missachten und die unerbittliche Konsequens sich an die eigenen idiotischen Regen zu halten und 50 euro für eine Tüte zu kassieren, die nicht mehr ins Handgebäck passt, all das macht Ryanair zu allgemeinen Hassobjekt.
Gestern sind wir mit Ryanair nach Spanien geflogen und das Flugzeug war wieder voller Schweden, trotz aller politischen Unkorrektheit, fliegen sie in alle Himmelsrichtungen, vor allem Richtung Süden.
Alle kannten die Regeln und alle genossen die Möglichkeit für einige Tage dem Schweden Nachwinter, oder Vorfrühling, zu entfliehen. Mit fünf Personen wäre es uns trots gutem Einkommen nie möglich gewesen jetzt in die Sonne zu fliegen. Der Urlaub in Spanien wäre weiterhin ein Privileg der noch reicheren geblieben. So ist Ryanair doch wohl trotz oder wegen aller Tricks mit extra Gebühren und engen Plätzen ein soziales Phänomen, das jeden Schweden von Herzen freuen könnte: Ryanair trägt dazu bei, mehr “jämställdhet”, = Gleichstellung, zu schaffen: Jetzt können auch Familien mit niedrigem Einkommen die Welt sehen. Und nichts liebt der politisch korrekte Schwede mehr als “jämställdhet”. So ist es dann doch nicht so politisch unkorrekt, gutes über Ryanair zu sagen.

Heimat…

Im Spiegel gibt es gerade eine Serie über Heimat. Was ist das? Gute Frage!

Ich habe mir früher nie darüber Gedanken gemacht. Wahrscheinlich weil ich einfach da war, wo meine Heimat war. Sehnsucht nach Heimat war mir fremd, im Gegensatz zur Sehnsucht nach der Fremde, Reise, neue Länder – ja und einmal auswandern … was hat man schon zu verlieren?

Heute kenne ich das Gefühl, mich nach Heimat zu sehnen. Je länger ich hier lebe, je mehr ich glaube dieses Land zu verstehen, umso fremder wird es mir. Wenn Heimat ein geografischer Ort ist, dann bin ich nicht da.

Ich glaube Heimat ist etwas das man erst bemerkt, wenn es vermisst: die gemeinsame Geschichte und Kultur – die gemeinsame Muttersprache -all sowas ist wohl Heimat.

Aber vielleicht ist Heimat auch immer nur als Sehmsucht zu haben, wie schon der Hebräerbrief so weise sagte:

“Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.” Hebr.13,14

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Hexentanz

Was um alles in der Welt Hexen mit Ostern zu tun haben, habe ich aufgegeben zu fragen. Es ist wohl einfach so, dass die schwedischen Hexen nicht bis

zur Walpurgisnacht warten wollten und darum schon zu Ostern losfliegen um sich auf dem Blåkullen zu treffen. Es war jedenfalls ein wieder ein besonderes Erlebnis als wir am heutigen Gründonnerstag im Seniorenheim Abendmahl feierten. Wir konnten erst beginnen nachdem die Hexen in Gestalt der verkleideten Kindergartenkinder ihre “Osterbriefe” an die Bewohner verteilt hatten und einige Lieder gesungen hatten.

Wie alle solche Bräuche hier sind sie jedes Jahr gleich = idententisch. Die gleichen Lieder, die gleichen Sprüche, die gleichen Verkleidungen, zur gleichen Zeit. Nur die Kinder wechseln.

Als die Hexen dann ausgeflogen waren und der kleine Altartisch aufgebaut war, endeckte ich, dass über dem Altarkreuz nicht etwa Engel tanzten, sondern auch Hexen flogen, die als Figuren an Schnüren von der Decke hingen. Wir feierten mitten im Hexentanz ein würdiges Abendmahl, und ich dachte, dass Jesus sich sicher auch zwischen Hexen behauptet und es nicht an Nähe und Liebe zu diesen alten Menschen mangeln lässt, nur weil die nun mal Schweden sind.

Det Staffellauf der Ärtze

Manchmal kann man in diesem Land wahnsinnig werden!

Auf dem Lande gibt es keine Ärzte, genauer: keine Ärtze die sich die sich nachhaltig und empatisch um Menschen kümmern. Es gibt statt dessen “Staffetläkare” – Staffelärzte – Ein Unternehmen versorgt die kleinen Polikliniken mit immer neuen, meist auslädischen Ärzten. Die bleiben dann drei Monate bis sie weiterziehen. Oma Svensson trifft also jedes mal wenn sie zum Arzt geht eine neue Person, mal einen Letten, dann einen Deutschen, dann einen Esten. Es gibt Psychater, die kein schwedisch sprechen. Wer mit psychischen Problemen versucht einen Termin beim Arzt zu bekommen muss seine Geschichte wieder und wieder erzählen.  In Munkfors wechseln die Ärzte nun planmässig, weil sie hier das “schwedische System” erlernen sollen. Eine Bekannte wollte endlich mit einem vollausgebildeten schwedischen Arzt sprechen – sie bekam einen Termin in drei Monaten.

Die Staffelärzte brauchen nie die Konsekvensen ihrer Behandlungen tragen. Sie sind nach 3 Monaten wieder weg – und verdienen dabei Spitzengehälter.

Ich könnte stundenlang von Menschen erzählen, die endlos auf Behandlungen warten, die mit Asperin versorgt werden, obwohl sie einen Herzinfarkt hatten, die seit Monaten auf die Ergebnisse einer Untersuchung warten oder mit fortgeschrittenem Alter gar nicht mehr zu Fachärtzen vorgelassen werden.

Wie kann ein Land, so reich, so stolz auf sein soziales Gewissen, eine so fürchterlich schlechte Gesundheitsversorgung haben? 

Ich werden mehr darüber nachdenken müssen! – Heute bin ich nur wieder aufs neue erschreckt worden.

Geburtstage

Geburtstagsfeiern in Schweden – wie oft gilt auch hier die Regel: Alles was das Leben erleichtert und in der Praxis gut funktioniert ist auch erlaubt.

Geburtstag kan man feiern, wann es einem am besten passt, ein halbes Jahr vorher oder Wochen später und nur die runden zählen wirklich.

Nun – wir halten uns an deutsche Genauigkeit: Wir feiern morgen: Monikas 52sten.

Übrigens “Genauigkeit” – unser indischer Freund, der z.Zt. in Berlin eine Doktorarbeit über Kaschmir schreibt hat eine intressante Beobaxhtung gemacht: Die beiden worte deutsch, die er als erstes lernt waren die Floskeln: “Genau!” und “Alles klar!” – Was das nun wiede über uns aussagt. Wir habens wohl gerna “genau”, und wenn eine Sache “genau” ist – dann ist wohl auch “alles klar”.

Das ist das Leben doch bedeutent ruhiger mit der Gewissheit, dass sich alles von alleine regeln wird: “det ordna sig” – wie man in Värmland sagt – “och om det inte ordna sig, då kvittar det” – und wenn es sich einmal nicht von alleine regelt, ist es auch egal. – Herrlich! Da habe ich wirklich was gelernt! “Genau” – so ist es – dann ist ja “alles klar”.

Gute Nacht!

Drei heilige Könige

Morgen, am 6 Januar werden wir “Trettondagen” feiern. Kaum ein Schwede weiß, was das eigentliche Thema dieses Tages ist. Aber es ist ein freier Tag und darum bleibt das gemeinsame Feiern. Und selbst wenn der Anlass des Tages nicht mehr allgemein geläufig ist, der Tag ist ein religiöser Markör in säkularer Kultur.
Wie bei allen Feiertagen ist der Tag vorher bereits ein halber freier Tag. nicht dass des in irgendwelchen Gesetzen oder Übereinkünften festgeschrieben wäre, es ist mehr ein Gewohnheitsrecht am Tag vor dem Tag um 12.00 Uhr nach Hause zu gehen.
In Sunnemo gibt es einen internationalen Gottesdienst in dem zwei Inder und eine Norwegerin als die drei Weisen auftreten.

Frohes Epiphamias!